Recep Tayyip Erdogan : Wie Erdogan Fußball Für Seine Politik Vereinnahmt

Bedrohliche Bilder dominieren den türkischen Fußball vor der am Freitag beginnenden neuen Saison der Süper Lig. Während des Supercups zwischen Meister Besiktas Istanbul und Pokalsieger Konyaspor kam es am vergangenen Sonntagabend in Samsun zu schweren Ausschreitungen. Ein offenes Klappmesser flog von den Rängen in Richtung des Besiktas-Spielers Ricardo Quaresma, weitere Gegenstände wurden auf den Platz geworfen, nach dem Abpfiff stürmten Fans das Spielfeld – und Anhänger gingen aufeinander los.

Auslöser der Krawalle sind die großen politischen Differenzen in der Türkei. Die Stadt Konya ist eine Hochburg der Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die meisten Besiktas-Fans, die als linksgerichtet gelten, stehen Erdogan dagegen äußerst kritisch gegenüber. Sie hatten sich auch 2013 an den Protesten gegen ihn im Gezi-Park beteiligt. Während des Spiels riefen nun beide Fanlager politische Botschaften. Konyaspors Anhänger skandierten: „PKK raus.“ Besiktas’ Fans entgegneten: „IS raus.“

Als Erdogan danach auf Twitter Konyaspor und deren Fans zum überraschenden 2:1-Sieg gratulierte, ging er auf die Krawalle nicht mit einem Wort ein. Dass die Mehrheit der Zuschauer auf den Stadionrängen seine Doktrin lauthals unterstützte, dürfte ihm sehr gefallen haben.

Schließlich sagte der 63-Jährige erst im März bei einer Rede: „Ich glaube, dass Fußball und Politik viel gemeinsam haben. Der Wettkampf ist der Kern von beiden, Fußball und Politik. Mein Trainer sagte mir früher immer: Junge, du musst den Ball fressen.“ Erdogan nutzt den Fußball nur allzu gerne für seine politischen Zwecke aus – er vereinnahmt ihn gar für seine Agenda.

Erdogan ordnete an, die Stadien dürften nicht mehr Arena heißen

Mit großem Tamtam tat er dies zuletzt Ende Mai. Da verfügte Erdogan, türkische Stadien dürften nicht mehr Arena heißen, sondern Stadion. „Ich bin gegen Arenen“, sagte er. „In unserer Sprache gibt es so etwas nicht.“ Erdogan begründete seinen Vorstoß damit, dass in Arenen im alten Rom Menschen um ihr Leben kämpfen mussten und „zerfleischt“ wurden.

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Erdogan weiht neues Besiktas-Stadion ein


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Source : http://www.tagesspiegel.de/sport/recep-tayyip-erdogan-wie-erdogan-fussball-fuer-seine-politik-vereinnahmt/20167820.html

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